Meine Hedwig       

 

 

 

 

 

 

 

 

Ursprünglich war sie ein Klepper Faltboot des Typs Blauwal 4. Sie hat viele Jahre (ungefähr 40)  auf dem Dachboden einer Sperrholzfabrik in Beverungen an der Weser verbracht. Sie war dort mit vielen alten Decken und Planen eingewickelt und ist wahrscheinlich nie zu Wasser gelassen worden.  Ein ehemaliger Mitarbeiter des Sperrholzwerkes wusste durch Zufall von meiner Faltbootleidenschaft und hat mich einige Tage vor dem Abriss des Gebäudes angerufen und von dem eingestaubten Blauwal berichtet.

Als ich sie dann übernehmen durfte, war das Gerüst noch im Neuzustand, das  Gummimaterial des Unterschiffes aber  war völlig verhärtet und nicht mehr zu nutzen. Die blaue Oberdeckbaumwolle war dagegen noch recht gut in Schuss.

Im kommenden Herbst habe ich dann das komplette Boot zur Firma Pouch  geschickt. Dort ist ein neues Unterschiff aus PVC Plane erstellt worden. Danach war meine Hedwig wieder ein voll einsatzfähiges Faltboot.

Mit dem Unterschiff bin ich bis heute nur bedingt zufrieden. Schon nach relativ kurzer Zeit (2 Jahre)  hat sich die vordere und hintere Stevenkappe gelöst, und als Folge ist Hedwig undicht geworden.  Auch war der Steuerbeschlag nur mangelhaft befestigt und erforderte eine Menge Nacharbeit.

Für eine längere Reise im Jahr 2005 habe ich mir dann noch vier Kielstreifen auf ganzer Länge aufgeklebt, so dass es trotz allen Ärgers eine stabile und pflegeleichte Haut ist.

Ich bilde mir ein, dass das PVC der Pouchhaut  leichter als das Hypalon der original Klepperhaut zu reparieren ist, Flicken lassen sich relativ unproblematisch aufkleben, außerdem kann man PVC gut erhitzen und dann verschweißen.

Im letzten Winter habe ich der Hedwig nun noch ein neues Oberdeck schneidern lassen. Die original Klepper Baumwolle war im Laufe der letzten Jahre doch morsch geworden und war an vielen Stellen mit Klebeband notdürftig repariert. Das neue Oberdeck hat die Firma Wayland in Polen erstellt. Damit bin ich bislang sehr zufrieden. Preiswert und gut.

Der Klepper Blauwal 4 ist ein relativ kurzer Zweier von genau 5 Meter Länge und  0,8 Meter Breite. Unter Klepperfans hat er keinen sonderlich guten Ruf, da er mit zwei Personen aufgrund seiner „Kürze“ schlecht laufen soll. Als Wanderboot für mich alleine finde ich Hedwig aufgrund des üppigen Platzangebotes geradezu ideal und benutze sie ohne jegliche Umbauten. Mit Hilfe der Steueranlage ist sie einfach zu manövrieren und kann auch gut Kurs halten. Die richtige Trimmung schaffe ich durch das Gepäck und die vielen Lebensmittel im Bug :-) so dass Hedwig sicher im Wasser liegt und wenig windanfällig ist.

Als Spritzschutz benutze ich eine alte graue Klepperspritzdecke, die mit Edelstahlklammern am Waschbord befestigt wird. So ganz richtig dicht ist sie nicht, aber wesentlich besser als nichts. Viel lieber benutze ich sowieso den Sonnenschutz, den ich mittels Klettpunkte auch am Waschbord befestige. Dadurch sind die Beine gut gegen Sonnenbrand geschützt.       

 

Wichtig sind noch meine Hilfen, wenn Hedwig mal an Land bewegt werden muss: Ich habe einen stabilen Bootswagen mit breiten Rädern, mit dem ich das Boot bequem, z. B. beim Umsetzen bei einem Wehr, über Land bewegen kann. Er lässt sich demontieren und findet seinen Platz in Hedwigs Heck. Daneben gibt es noch einen Fender, auf dem ich selbst das vollbeladene Boot hoch ans Ufer ziehen kann, damit es schnell mal außerhalb der Reichweite von Schiffswellen liegen kann.

Und zum Schluss müssen noch die Wimpel erwähnt werden. Den Bug ziert die Lemgoer Paddelhexe und am Heck flattert der DKV Stander, bzw., wenn Hedwig ausländisch unterwegs ist, der Nationalitätenwimpel. Wimpel sind heutzutage bei Paddlern und Paddelbooten völlig aus der Mode, aber ich kann nicht ohne.